Sexuelle Gewalt Drama

Der Dunkelheit begegnen

Leben und lieben nach sexueller Misshandlung


Liebe Betroffene, 
Liebe Interessierte,

hier schreibe ich über sexuelle Misshandlung, Missbrauch und Vergewaltigung. Es fällt mir oft schwer, trotzdem versuche ich mir mein Lachen zu bewahren. Das Thema hält viele Trigger bereit, aber Aufklärung ist mir wichtig. Gesellschaftliche Verdrängung muss sichtbar werden und sich zu Verständnis für Betroffene wandeln. Das tut erstmal weh, weil es das muss, damit das Schweigen aufhört.

Dresscode: Opfer

von Lia Niehus, 14.09.2020

Eine nackte Puppe liegt im Dreck. Ihr fehlt ein Arm, ihr Bein ist verdreht. Ihre Augen schauen ins Leere. Das Symbolbild für Perversitäten an Kindern, verklausuliert, damit euch die Abgrenzung zu uns, den – Dunkelziffer 1 Million – Geschändeten in Deutschland, gelingt. Ihr führt fort, womit die Täter begonnen haben. Ich schweige für euer Wohlbefinden. Wenn ich was kann, dann mein Umfeld mit meinen Ansprüchen zu verschonen, trotzdem falle ich auf, weil ich noch immer das Mit-der-stimmt-was-nicht-Mädchen bin, Beute für neue Täter. Ich hatte Angst zurückzuschauen und zu erkennen, anders gewesen zu sein als alle anderen, meine Geschichte neu schreiben zu müssen. Mir wurde ein Charakter, eine Verkleidung übergestülpt, das Recht auf Unversehrtheit genommen, eine Version meiner Selbst mit eingeschränkten sozialen Möglichkeiten aufgezwängt. Eine Version von mir, die es nicht gäbe, hätte mein Vater seinen Penis in der Hose gelassen. Meine Erinnerungen an die Übergriffe lösen Panik an Körperstellen, die ich aus Scham nicht benennen möchte, aus. Ich kann mich nur mit Ironie wehren. Penis in der Hose. Höhö. Ihr lasst mich spüren, dass mein Lachen ein Indiz dafür ist, dass alles nicht so schlimm gewesen sein konnte. Ihr wollt mich aber auch nicht traurig sehen, weil eure Zuckerwatte-Welt schön fluffig bleiben soll. Vielleicht tragt ihr auch eine Verkleidung, so wie ich einst, und ahnt nicht, dass ihr zu uns, den Geschändeten, gehört, fühlt euch in eurem düsterem Luftschloss sicherer. Ihr wollt, dass ich vergebe. Das werde ich nicht. Täter wollen uns Alpträume bescheren, wir bedeuten ihnen nichts. Reue fühlen sie nicht, sonst könnten sie uns das nicht immer wieder antun. Ihr wollt nicht wahrhaben, dass sie immun gegen Mitgefühl sind, dass sie Vergebung predigen, um uns als Betroffene nicht anerkennen zu müssen. Eure Naivität ist unser Tor zur Hölle. Auch die Sprache haben sie manipuliert: Kinderschänder, Sexmonster, Familiendrama. Ich lache laut, aus Verzweiflung, weil sie damit durchkommen, uns ihre Scham aufzubürden. Urvertrauen ist ein Märchen für mich. Ich scanne Menschen auf toxische Züge, suche akribisch nach Hinweisen für ihre Ehrlichkeit. Bewerte jede Unaufmerksamkeit als Grenzüberschreitung, übersehe immer noch die Koryphäen des Narzisstentums, lasse mich blenden von Charme und Eloquenz. Wenigstens fühle ich mich nicht mehr schuldig, nicht mehr verantwortlich für ihre Unzugänglichkeiten. Ich habe Liebe und Sex neu entdeckt, einen zähen Kampf um Respekt geführt. Mir steht die Tür zur Freiheit einen Spalt offen, es wird noch Jahre, vielleicht Jahrzehnte, dauern bis ich durch sie hindurchgehen, meiner Vergangenheit ohne Schmerzen, begegnen werde. Ich sehe Licht, spüre die Wärme der Sicherheit dahinter und weiß, dass meine Seele heilen kann.

Vorzeige-vergewaltigte

von Lia Niehus, 10.08.2020

Ich zeige Ausschnitt, trage High Heels und goldene Creolen. Ich schminke meine Lippen auberginefarben, betone meinen Hintern mit einem knappen Kunstlederrock, trinke Alkohol und flirte mit Typen, die mir gefallen, tanze wie Salma Hayek in From Dusk Till Dawn. Du denkst, ich will dich geil machen, will, dass du es mir Schlampe besorgst. Auch gegen meinen Willen. Du denkst, ich werde danach vielleicht etwas rumheulen, weil du großartiger Mann am nächsten Tag nicht anrufst. Weiber halt, erst f***** wollen, und dann Drama machen. Du wusstest, dass ich keine Anzeige erstatten, mich nicht an ein Krankenhaus wenden werde. Keine Spuren, keine Tat. Warum auch, ich wollte es doch auch. Das Bisschen wehren und nein sagen, sollte dich nur noch mehr scharf auf mich machen. Du wirst Recht behalten. Ich werde keine Hilfe holen. Ich werde unter der Dusche deinen Schmutz, deine Schuld reinwaschen. Werde heulen und mir einreden, dass ich es vielleicht doch irgendwie wollte. Mein Cateye-Lidstrich wird zu schwarzen Schlieren zerlaufen. Ich gehöre zu denen, die ihre Vergewaltigung kauernd unter einem Schwall Wasser zelebrieren, so wie die misshandelten Frauen in den Krimis. Ich werde trotz der 38° zittern und mich selbst umarmen, meine Brüste, meine Scham verdecken. Meine C-Körbchen waren dir auf der vollen Tanzfläche im Weg. Du konntest nicht anderes, als dich gegen mich zu pressen und sekundenlang so zu verweilen. Ich lächelte dein Fauxpas weg, ich wurde dazu erzogen, Übergriffe nicht so eng zu sehen, wollte nicht hysterisch wirken. Es war doch bloß ein Versehen, die Umstände. Dass es ein Test von dir war, um meine Grenzen auszukundschaften, wurde mir erst nach der Vergewaltigung bewusst. Dir war schon längst auf der Tanzfläche klar, dass ich meine Klappe halten, nichts gegen dich unternehmen werde. Dafür werde ich nur noch weite Shirts tragen und mich nicht mehr schminken. Werde mir einreden, ich hätte dich mit meinen wippenden Brüste und offenen Haaren provoziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen, weil ich sie von Daddy nie oder immerzu erhalten habe. Für eine lange Zeit werde ich verstecken, was dich erregen könnte. Ich werde zu einer Vorzeigevergewaltigten, die still leidet und denkt, dass alles nicht so schlimm gewesen sein kann. Und wenn ich mich Wochen, Monate oder Jahre später vielleicht traue, einer guten Freundin von der Nacht mit dir zu erzählen, dann wird sie mich in den Arm nehmen, nett gemeinte Floskeln von sich geben, doch nach einer Weile wird sich in ihr Mitgefühl Skepsis mischen. Ich werde es an ihrem Blick erkennen. Sie wird mir zögerliche Fragen stellen während sie immer noch meine Hand hält: »Bist du dir auch ganz sicher? Hast du was getrunken? Hattest du wieder den zu kurzen Rock an? Hast du dich gewehrt?« Nach einer Weile wird sie sich an die Fifty- Shades-of-Grey-Storys erinnern, von denen ich ihr unverblümt an einem lauen Sommerabend auf dem Balkon erzählt hatte, damals als ich noch mit meinem Freund zusammen gewesen war. Sie wird mir tröstend über den Rücken fahren und eine Therapie empfehlen, und sie wird meine Geschichte anzweifeln. Sie wird es nicht böse meinen. Wir haben gelernt, uns dem Ständer des Mannes zu fügen. Ich sollte ihr sagen: »Ich sah heiß aus, war in Feierlaune, habe zwei Gläser Sekt getrunken und mächtig geflirtet, es hat mir gefallen, sinnlich zu tanzen. Ich mag meine Weiblichkeit. Hab ich deshalb Schuld? Nein.« Stattdessen werde ich meinen Kopf senken, die Tränen unterdrücken und mich wieder fragen: »Habe ich wirklich laut genug Nein gesagt? War es ein Spiel für dich?« Ich bin mitgegangen, hatte Lust auf dich ... wollte wissen, wie es sich anfühlt, dich zu küssen. War ich naiv? Alle kennen den Sex-Code Zu mir oder zu Dir?  Ich kann nicht einfach mit hochkommen, und dann plötzlich keine Lust mehr haben. Du erwartest längst, dass ich mein Höschen ausziehe, falls ich Sexy-Hexi überhaupt eins trage. Ich war neugierig auf dich, du warst attraktiv, hattest Humor. Der Gedanke mit dir zu schlafen, war da. Doch dann hast du mich Sexy-Hexi genannt, hast mir nichts zu trinken angeboten, dich nicht mit mir unterhalten. Wir haben uns nicht geküsst. Du hast ohne Vorwarnung deinen Reißverschluss aufgemacht und mir gesagt, ich sehe aus, wie eine, die es von hinten mag. Du wurdest unangenehm. Ich sollte widerlich schreiben, aber noch immer fällt es mir schwer, dich zu beleidigen. Statt mich, sehe ich dich als Opfer, nehme dich in Schutz, versuche meine Signale zu rekonstruieren. Ich habe dich überfordert angeschaut, ein flaues Gefühl im Magen bekommen, »Äh, ich denke nicht«, und wollte aufstehen, da lagst du schon auf mir, deine Hand drückte meinen Hals zu, die andere steckte in meiner Vagina. »Es wird dir gefallen!«
»Nein!« Ich versuchte loszukommen, fiel in Schockstarre, denn du warst stärker als ich. Ich existierte nicht für dich, meine Bedürfnisse interessierten dich nicht. Ich war ein Körper, an dem du dich abreiben konntest, an dem du deine Geilheit losgeworden bist. Meine Angst war dir egal. Mein Nein war dir egal. 

Auch ich bin eine schlechte Freundin, eine die hinterfragt und nicht zuhört, die sagt: »Männer denken mit dem Schwanz. Mach ihm keine falschen Hoffnungen. Lad ihn nur nach Hause ein, wenn du mit ihm schlafen willst. Nimm ein Taxi nach der Party. Hast du Pfefferspray dabei?«

Flirten macht Spaß. Mit Reizen zu spielen ist aufregend. Ich mag Sex – trotz allem. Sex mit einem Mann, dem ich vertraue, der aufhört, wenn ich das will, der mich wahrnimmt und dem meine intimen Wünsche und Grenzen wichtig sind. Sich fallenzulassen, neues auszuprobieren funktioniert nur mit Respekt. Lange Zeit wusste ich das nicht. Mein Welt war eine von Männern dominierte. Weibliche Vorbilder waren unterdrückt. Ich wuchs in einem toxischen Umfeld auf, in dem mich Männer manipulierten, einschüchterten und mir drohten. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich begriff, dass Sexismus existiert und ich mich dagegen wehren darf. Doch mich wirklich zu wehren, fällt mir bis heute schwer. Bis aus dem Schweigen ein Schreien wird, wird es noch eine Weile dauern. Bis dahin schreibe ich darüber und hoffe, dass es anderen Betroffenen hilft, darüber zu reden. Irgendwann, wenn sie bereit dazu sind, denn das Schweigen schützt nicht nur uns, es schützt auch diejenigen, die uns das angetan haben.

Das Unfassbare ist alltag

Lebenslänglich für Betroffene. Bewährung für Täter.

von Lia Niehus, 10.07.2020

Kinderpornos. Nein, Kinderfolter. Sexuelle Kinderfolter. Ein Penis im Kinderpo. Abartig, oder? Hunderttausende Männer und Frauen in Deutschland finden das geil – und das ist nur das Hellfeld.
1,3 Millionen Abbildungen, die die sexuelle Misshandlung von Kindern dokumentieren, wurden 2019 im Internet gefunden. 1,3 MILLIONEN. Für diese Bilder leiden Kinder zur Befriedigung von Erwachsenen. Die Kinder werden mit Gewalt, Manipulation und Sedierung zu – oft sadistischem – Sex gezwungen. Immer wieder. Täglich. Wöchentlich. Monatlich. Jahrelang. Diejenigen bei der Polizei, die das Material auswerten, brauchen psychologische Betreuung, weil das Schauen von Kinderpornos für Nichtperverse traumatisch ist. Hinsehen ist traumatisch. Deshalb schauen wir gern weg. Die Zitate in den Medien lauten: Unvorstellbar! Unfassbar! Unmöglich!  Wenn du nicht betroffen bist, stell dir mal vor, wie es war, ein Kind zu sein und jetzt stell dir vor, deine Eltern, dein Stiefvater, der Nachbar, deine Tante zwingen dich zum Sex. Unvorstellbar? Unfassbar? Unmöglich? Abartig? Wir wollen nicht, dass es wahr ist. Die Täter sind meistens keine Pädos, wie viele glauben. Pädos erkennt man. Dieser Glaube beruhigt uns. Sie haben Schnurrbärte und tragen beige Mäntel, sitzen alleine auf Kinderspielplätzen herum. Pädos sind zwar unheimlich, aber vor ihnen kann ich Kinder schützen. Manche Pädos suchen Hilfe, übernehmen Verantwortung für ihre strafbaren Neigungen. Noch gefährlicher sind die Ohnmächtigen. Sie fühlen sich gut dabei, Kinder zu misshandeln, dadurch verschwindet das Ohn und sie fühlen sich mächtig. Sexuelle Gewalt ist Mittel zum Zweck, Mittel zur Macht. Kinder unterwirft man leichter als Erwachsene. Und weil wir denken, nur das Krankheitsbild der Pädophilie ist der Grund, dass Missbrauch von Kindern überhaupt geschieht, vergessen wir die Ohnmächtigen, die mächtig sein wollen, übersehen ihre Opfer. Denn wer verheiratet ist, der steht nicht auf kleine Jungs. Warum nur, gibt es Menschen, die Kinder vergewaltigen? Die Frage nach dem Warum überlasse ich der Psychologie. Ich frage schon lange nicht mehr nach dem Warum. Ich frage: Wie viele von uns und wie lange noch?

Die Sexmonster lauern nicht nur in einsamen Unterführungen und Parks bei Dunkelheit. Die Sexmonster, das ist der Papa aus der sympathischen Nachbarsfamilie, der lustige Arbeitskollege, die engagierte Lehrerin, der tolle Fußballtrainer, die Frau Prof. Soundso und ihr Mann, der nette Herr Doktor, manchmal ist es auch die Assi-Mutter von nebenan, mit der aber, wollen wir bloß nichts zutun haben. Wir denken, das passiert weit weg von uns, im Internet, im Darknet, nicht im Reallife. In jeder echten Klasse, sitzen zwei Kinder aus diesem Darknet. Aber die Leute, die ich kenne, die machen sowas doch nicht. Niemals! Meine Welt ist in Ordnung. Wie viele Hände würden wir ins Feuer legen, für unsere Mitmenschen? Wir trauen es ihnen nicht zu, weil sie Charisma haben und Autorität ausstrahlen, harmlos wirken, Vorzeigemenschen sind. Persönlichkeiten mit Status stellen wir nicht infrage, hilfsbereite Bekannte loben wir in den Himmel, Stars bewundern wir und Familien sind sowieso hermetische Systeme, ein rechtsfreier Raum. Opfer strahlen ihre Manipulierbarkeit aus. Täter haben einen Radar für unsere Verletzlichkeit, für unsere Macht-mit-und-hält-die-Klappe-Aura. Täter suchen sich sehr oft Co-Täterinnen. Diese sind ihr Alibi, damit die Öffentlichkeit Mr. Jekill-Hyde für Superdaddy hält. Nachts im Kinderzimmer erzählt Superdaddy den lieben Kleinen dann seine Horrornachtgeschichten, wird zu Freddy Krueger, während seine Frau beim Zumba ist oder abwäscht. Mütter, die nichts merken, sind weit verbreitet. Mama sieht nicht, was nicht sein darf, was schon in ihrer Kindheit nicht sein durfte. Was jetzt bei dem eigenen Kind vor sich geht, triggert das Unaussprechliche, und lässt einen erstarren, wie früher. Co-Täterinnen spalten sich ab, um den Schmerz nicht noch einmal fühlen zu müssen. Oder sie konvertieren bewusst zur dunklen Seite, betäuben sich mit Macht, reproduzieren verkorkste Kindheiten als rechte Hand des Teufels: Wenn ich nicht glücklich sein durfte, darfst du es auch nicht sein. Sie agieren oft aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit. Ganz ehrlich. Es ist auch ungerecht. Die Willkür von Natur, Genen und sozialen Gegebenheiten machen uns aus. Wenn wir in einem toxischen Umfeld ins Leben starten, ist unsere Zukunft hart: Trigger, Schizophrenie, Borderline, Beziehungsunfähigkeit, Depressionen, Energiemangel, chronische Krankheiten, Panikattacken, sexuelle Probleme, soziale Hemmungen ... unzählige hässliche Auswirkungen beeinflussen unser Leben, weil wir bei Familie Pervers aufwachsen mussten, in einer Sekte oder der falschen Kirche gelandet sind, von schlechten Erzieherinnen gehütet wurden, im Sportverein doch auf einen echten Pädo hereinfielen. Dennoch, die Verantwortung meiner Entscheidungen liegt als erwachsene Person bei mir. Immer. Die schlimme Vergangenheit ist keine Ausrede, sondern eine Tatsache. Ungerechtigkeiten kann nur die Gesellschaft ausgleichen. Etwas. Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen zum Beispiel. Millionen missbrauchter oder aus anderen Gründen leidende Menschen hätten keine Existenzängste mehr, könnten etwas, vielleicht sogar ganz heilen, ein besseres Leben aufbauen ohne Stigma-Stempel. Wirtschaftliche Abhängigkeiten wären kein Grund mehr, um in toxischen Beziehungen zu bleiben. Warum haben wir Angst vor der Zufriedenheit der Bürger und Bürgerinnen? Warum denken wir, Menschen würden mit dem Bedingungslosen Einkommen nicht mehr arbeiten? Warum gönnen wir es anderen nicht, entschädigt zu werden, halten sie für faul, wenn sie nicht funktionieren, akzeptieren nicht, dass sie möglicherweise von klein auf gebrochen wurden? Statt Verständnis aufzubringen, sanktionieren wir sie. Schwarze Pädagogik hat uns abstumpfen lassen. Dabei ist eine Gesellschaft, in der es den Schwächsten gutgeht, eine starke Gesellschaft. Viele Betroffene wissen nicht einmal, aus welchen Untiefen ihr Schmerz stammt, weil sie das Schlimme, den Penis im Po, vergessen mussten, um zu überleben. Der Körper reagiert seltsam im Alltag, das Gedächtnis grübelt bis zum Umfallen, bis zum Aha-Effekt, bis der Nebel sich irgendwann, manchmal plötzlich, manchmal schleichend lichtet und die Erinnerung blank und traurig vor uns liegt. Und obwohl man endlich schreien möchte, schweigt man weiter, denn die Welt hält Kinderfolter für einen schlechten Film, tragische Einzelfälle. Sexuelle Gewalt im Kindesalter ist eine verborgene Pandemie. Es ist schwierig darüber zu sprechen. Die Täter wollen, dass wir die Klappe halten, so haben sie uns programmiert. Wenn ihr uns nicht zuhört, werden sie weitermachen. Ohne Reue, ohne Konsequenzen. Hört zu und glaubt uns. 

Lachen trotz #metoo? 

Darf man das als Mensch, der Vergewaltigung und Missbrauch erlebt hat überhaupt?


Kara hat eine große Klappe und schlimme Vergangenheit. Als sie beginnt, sich dieser zu stellen, findet sie ihren Platz in einer Gesellschaft, deren Erwartungen sie eigentlich nicht erfüllen wollte und erobert sich ihr Recht auf Glück - trotz allem.

Liebe ist ein Glas von Lia Niehus

"Liebe ist ein Glas"
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